Anfang Juni 2025 empfing das Institut für neue Energie Systeme (InES) der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) eine fünfköpfige Delegation aus Kenia. Im Rahmen des deutsch-kenianischen Netzwerkprojekts BIOVARYA - Aufbau eines Biogasnetzwerkes für Bayern und Kenia - besuchte die Delegation eine Woche lang verschiedene Stationen in Bayern. Ziel des Besuchs war es, den fachlichen Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu stärken, innovative Biogastechnologien kennenzulernen und neue Kooperationsmöglichkeiten auszuloten.
Die Delegation bestand aus zwei Repräsentanten der Technical University of Kenya (TU-K) sowie drei Vertretern kenianischer Biogasunternehmen: Green Yard Ltd., Flexi Biogas und GreenLeaf Renewable Energy. Begleitet wurde das Programm von Wissenschaftler*innen und Mitarbeitenden des InES, das das Projekt auf deutscher Seite koordiniert.
Auftakt an der THI – Dialog und Fachgespräche im Fokus
Am ersten Tag stand das gegenseitige Kennenlernen im Mittelpunkt. Neben einer Führung über den Campus der THI bot vor allem das Biogaslabor einen Anknüpfungspunkt zum Austausch. Die Forschenden präsentierten dort ihre aktuellen Arbeiten zu Biogastechnologien und gaben Einblicke in laufende Experimente und Entwicklungen. Anschließend stellten die kenianischen Gäste ihre Unternehmen und deren Aktivitäten im Bereich Biogas in Ostafrika vor. Die Gespräche zeigten schnell: Obwohl die Rahmenbedingungen unterschiedlich sind, teilen beide Seiten ähnliche Herausforderungen und Ziele – von der technologischen Weiterentwicklung über Schulung und Beratung bis hin zur gesellschaftlichen Akzeptanz Erneuerbarer Energien.
Praxisbesuche in Bayern – Inspiration durch Beispiele
An den folgenden Tagen führte das Programm die Delegation zu ausgewählten Biogasstandorten in Bayern. Der Besuch eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs mit eigener Biogasanlage bot praxisnahe Einblicke in den Alltag und die wirtschaftliche Bedeutung von Biogas im ländlichen Raum.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch bei AgriKomp in Merkendorf, einem international tätigen Unternehmen für Biogasanlagen. Bei einer Werksführung und Präsentation erfuhren die Gäste mehr über modulare Technologien sowie die Umsetzung internationaler Vorhaben, ein besonders spannender Aspekt für die kenianischen Unternehmen.
Netzwerke stärken – Biogas braucht Organisation
Am dritten Tag begrüßte das InES Marc Reinhard vom Fachverband Biogas e.V. In einem Vortrag erläuterte er die Rolle von Branchenorganisationen für die Weiterentwicklung des Biogassektors. Die Präsentation stieß bei den kenianischen Teilnehmenden auf großes Interesse. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es zwar Fachverbände in Kenia gibt, diese aber bislang nicht die gleiche Reichweite und Durchsetzungskraft entfalten. Der Austausch führte zu vielen konkreten Ideen, wie eine stärkere Strukturierung und Interessenvertretung in Kenia aussehen könnte.
Am Nachmittag reiste die Gruppe nach Reisbach bei Landshut, wo sie das Unternehmen Snow Leopard Projects GmbH besuchte. Das Unternehmen entwickelt innovative Biogas- und Solarlösungen für internationale Märkte, der reiche Erfahrungsschatz des Geschäftsführers im afrikanischen Markt erwies sich im Austausch als besonders gewinnbringend.
Abschlusstag – Rückblick und Ausblick
Am Morgen des letzten Tages trafen sich alle Beteiligten zu einer Feedbackrunde, bei dieser betonten alle Beteiligten den hohen fachlichen und persönlichen Gewinn des Austauschs. Zum Abschluss der Woche fand eine Führung durch die Biogasanlage BioIN bei Ingolstadt statt. Die kommunale Anlage zur Verarbeitung von Bio- und Haushaltsabfällen zeigte eindrucksvoll, wie Biogassysteme zur Kreislaufwirtschaft beitragen können.
Der Delegationsbesuch war fachlich wie zwischenmenschlich ein voller Erfolg, der nicht nur den Fortlauf des Projekts BIOVARYA, sondern auch die Biogasbranche beider Länder stärken wird. Mehr Kontakt- und Informationsmöglichkeiten wird es zukünftig über die Projektwebsite geben, auf der auch die Unternehmensprofile der Besucher verlinkt sein werden.
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